Der Gehirnscanner aus dem 19 Jhd.




Viele von uns kennen die Erfindungen und Pläne von Leonardo da Vinci. Weniger oder fast gar nicht bekannt sind uns die Pläne und Ausführungen seines Landsmanns Angelo Mosso. Bis vor kurzem sind seine Manuskripte in einer Universitätsbibliothek verstaubt und vergessen worden, bis sie von Stefano Sandrone wiederentdeckt wurden. In ihnen fand er eine Maschine die Gehirnaktivität indirekt messen sollte. Die Maschine basierte auf der Idee, dass das Gehirn mehr Blut braucht wenn es mehr aktiviert wird. Das beachtliche daran ist, dass auf der selben Idee die heutige funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) basiert. Diese Methode ist heutzutage die modernste um einen Einblick in die Gehirnfunktion zu bekommen. Daher verwundert es, dass Mossos Maschine 150 Jahre zuvor das auch schon zu einem gewissen Teil konnte. 


Zeichnung von Mossos Messwaage


Die ausgeklügelte Maschine funktioniert im Grunde wie eine Waage basierend auf einem gut balancierten Hebelpunkt - wohin das Blut fließt in die Richtung bewegt sich die Waage ganz leicht. Natürlich führte er auch Kontrollversuche die den Atmungsfehler ausgleichen sollen und korrigierte seine Waage dementsprechend. Denn bei der Atmung verändert sich der Schwerpunkt auch automatisch. Die Bewegungen der Waage wurden automatisch auf einem Kymographen aufgezeichnet (eine Art Seismograph der die Bewegungen per Stift automatisch auf eine Papierrolle überträgt).

Laut Mossos Manuskript konnte er eine erhöhte Bewegung in Richtung des Kopfes feststellen wenn Probanden ein anspruchsvolles Philosophie Buch studierten im vergleich zu einem leicht lesbaren Buch. Es sei zwar stark zu hinterfragen ob seine Ergebnisse wirklich die erhöhte Gehirnaktivität, aber Forscher der Universität Reading machten sich daran um eine ähnliche Maschine auf Basis von Mossas Manuskript zu bauen. Und diese konnten in ihren Versuchen wirklich feststellen, dass man basierend auf seinem Prinzip, die Veränderungen der Blutmenge im Gehirn messen kann sofern das Gerät sehr gut kalibriert ist. Somit kann man Angelo Mosso durchaus als Vorreiter der modernen bildgebenden Gehirnmessungen sehen. 
Die moderne Version von Mossos Gehirnwaage

Er war nämlich der erste der den direkten Zusammenhang zwischen erhöhter Gehirnaktivität und erhöhter Durchblutung festgestellt hat und damit einen Paradigmenwechsel einläutete der jedoch wie so oft länger als gedacht dauerte. Nach rund 30 Jahren hat es sich aber durchgesetzt und wir nutzen bis beute die Erkenntnisse wenn es darum geht Gehirnaktivität indirekt und nicht invasiv zu messen. 








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